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Einmal Hans mit scharfer Soße - von Hatice Akyün -Zweiter Literaturgottesdienst -

Das Europa der Toleranz - Ein Zeitungsartikel gibt das Thema vor
Das Europa der Toleranz, Tagesspiegel vom 02.01.2016 von Olaf Schwencke
Deutschland hat nach dem Zweiten Weltkrieg kulturpolitische Kompetenz entwickelt.
Doch bei der Integration der Muslime ist manches schiefgegangen
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http://www.tagesspiegel.de/kultur/serie-kultur-und-fluechtlinge-das-europa-der-toleranz/12781916.html


 

Über die Autorin und Ihr Leben in zwei Welten

Hatice Akyün wurde 1969 in einem kleinen anatolischen Dorf geboren. 1972 zog sie mit ihren Eltern nach Duisburg, wo ihr Vater begann als Bergmann zu arbeiten. Sie lernte Deutsch mit Grimms Märchen und sagt von sich, dass ihr „Herz deutsch und ihre Seele türkisch“ sei. Nach der Mittleren Reife machte sie eine Ausbildung zur Justizangestellten beim Amtsgericht in Duisburg. Anschließend holte sie ihr Abitur nach. Nach einem Jahr als Au-pair in New York begann sie ein Studium der Betriebswirtschaft an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Zugleich arbeitete sie als freie Journalistin für die Lokalredaktion der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. Nach einem Volontariat zog sie im Jahr 2000 nach Berlin und arbeitete für die Zeitschrift Max. Nach kurzem Aufenthalt in Hamburg lebt sie seit 2009 wieder in Berlin. Seit dem Jahre 2003 arbeitet Hatice Akyün als freie Autorin und schrieb bzw. schreibt unter anderem für den Spiegel die Titelgeschichte „Allahs rechtlose Töchter“ und die Reportagen „Eine Stadt wie ein Versprechen“ über junge türkische Akademikerinnen in Istanbul und „Der Denkzettel“ über den Solinger Brandanschlag, sowie im Berliner Tagesspiegel von 2011 bis 2014 eine wöchentliche Kolumne, die „Meine Heimat“ hieß. In ihr berichtete sie über das Leben in einer Großstadt aus dem Blickwinkel einer Zugewanderten. Die Kolumne umfasste auch das Thema Integration im weitesten Sinn. Akyün schrieb mit Ironie und Humor über ihr Leben in der deutschen und türkischen Kultur, das in ihren Geschichten aber nicht sehr unterschiedlich ist. Sie schrieb z. B. über Mütter, deren Probleme sich gleichen, auch wenn die Mütter aus verschiedenen Regionen der Welt stammen. Integration sei etwas, das eben nicht auf dem Papier passiere, sondern auch auf dem Spielplatz nebenan. Oft ging es in den Kolumnen um das Leben, die Liebe, Pannen und Peinlichkeiten, Größe und Kleinmut, Hoffnung und Enttäuschung und darum, sich selbst treu zu bleiben. Alles drehte sich um die Lebensweisheiten ihres türkischen Vaters, der am Ende ihrer Kolumnen stets den passenden Satz zum Thema sagte.

Über das Buch:

„Hans und Helga heißen alle Deutschen bei uns Türken“, schreibt Hatice Akyün, „und jedes Mal, wenn ich in die Türkei fahre, heißt es: ‚Hast du jetzt endlich einen Hans gefunden? ‘ Natürlich habe ich ihn noch nicht gefunden. Ein Hans, der galant genug wäre, mir beim ersten Date – wie in der Türkei üblich – die Autotür aufzuhalten, ist mir noch nicht begegnet. Und türkische Männer trauen sich nicht mehr in meine Nähe. Seither bin ich das Sorgenkind meiner Familie. Sie kennen meine Familie noch nicht? Dann kommen Sie her, und setzen Sie sich, und vergessen Sie nicht, etwas zu essen mitzubringen, denn das macht man so bei uns. Ich entführe Sie in ein Deutschland, das Sie unter Garantie noch nicht kennen. Geschichten aus 1001 Nächten im Ruhrpott, nachdem mein Vater nach Deutschland gekommen ist, um hier zu arbeiten. Stellen Sie sich auf eine längere Reise ein, denn es geht um so etwas wie den Eintritt in ein anderes Universum.“
Ein Beitrag zu einem hochaktuellen Thema, über das so frech, humorvoll und witzig noch nie geschrieben wurde.